Weil es aus der Bevölkerung nach dem Sprengunglück auf der „Wülpker Egge“ mehr als ein Dutzend Anfragen, Beschwerden und Anregungen an Mitglieder des SPD-Ortsvereins Kleinenbremen-Wülpke gegeben hatte, wird der Vorsitzende Rainer Besser zu einer Informations-veranstaltung einladen.
Sobald die Untersuchungsergebnisse von Staatsanwaltschaft und zuständigen Aufsichtsbehörden vorliegen, soll diese Bürgerversammlung stattfinden, beschloss der SPD-Vorstand in seiner jüngsten Sitzung.
Zwar wolle man die Vergangenheit ruhen lassen, dass bedeute aber keinen Persilschein für die Zukunft. Die Steinschläge durch eine massive Sprengung hatten zahlreiche Anlieger zum Anlass genommen, viele weitere Missstände im Bereich des Tageabbaues kritisch zu hinterfragen. In einer Fotodokumentation hat Dietrich Müller-Prasuhn die aktuellen Kritikpunkte zusammengestellt.
In der öffentlichen Veranstaltung erhofft man sich nun Antworten auf die Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Nach Aussage von Anwohnern gab es z.B. vor der Unglückssprengung keinerlei akustische Warnsignale, wie sie früher üblich waren.
Obwohl laut Betriebsplan der Barbara-Rohstoffbetriebe auch in Zukunft Sprengungen im Bereich der Wülpker-Egge vorgesehen sind und obwohl in unmittelbarer Nähe Wanderwege an dem Gelände vorbeiführen, gibt es schon seit langer Zeit keine Warnschilder mehr, die auf Sprengungen, Steinschlaggefahr oder Signale hinweisen.
Die umliegenden landwirtschaftlich genutzten Wiesen sind übersät mit Gesteinsbrocken, die zu Schäden z.B. an den Mähwerken führen werden. Auch stellt sich die Frage, ob es überhaupt notwendig sei, solch massive Sprengungen mit 92 Bohrlöchern und 4.000 kg Sprengstoff durchzuführen. Man müsse vermuten, dass der Betrieb ohne Rücksicht auf die Umgebung das Gestein aus Kostengründen regelrecht „kleinschießt“, um weitere Arbeitsgänge zu vermeiden.
Inzwischen mehrt sich in der Bevölkerung der Verdacht, dass die jahrzehntelangen, massiven untertägigen und auch übertage Sprengungen mit erheblichen Sprengerschütterungen dazu geführt haben könnten, dass im Bereich Nammen / Wülpke / Kleinenbremen die Schmutzwasserleitungen sowohl im öffentlichen, als auch im privaten Bereich, stärker als in anderen Bereichen der Stadt in Mitleidenschaft gezogen wurden und die Bürger sowie die Steuerzahler nun für diese Schäden aufkommen müssen.
Ein weiterer Kritikpunkt ergebe sich aus der Tatsache, dass ca. 4.000 t Klärschlamm, die auf der „Wülpker Egge“ eigentlich nur „zwischengelagert“ werden sollten, nun aber offensichtlich in der Bodendeponie verschwunden sind.
Inzwischen sollen neuerdings pro Jahr etwa 20.000 t Verbrennungsrückstände -vornehm als Kesselsande bezeichnet- aus den Kohlekraftwerken Lahde und Scholven auf der „Wülpker Egge“ verbaut werden.
Da in dem Betriebsplan lediglich eine Bodendeponie zugelassen ist, wird diese Asche laut Betreiber nicht deponiert, sondern es sollen damit Wälle zum Schutz der Feuchtbiotope gebaut werden. Das sei eine „unerhörte Verdummung der Bevölkerung“ so Dieter Lichte zu diesen Vorgängen. Die vielen Rekultivierungspläne der Vergangenheit seien das Papier nicht wert auf dem sie gedruckt sind.
In regelmäßigen Abständen würden der Bevölkerung neue, schöne bunte Pläne vorgelegt die für die Zukunft eine blühende Landschaft in diesem Bereich vorgaukeln sollen. Kaum habe sich ein kümmerliches Biotop entwickelt, werde ein neuer Plan vorgestellt und die neu entstandenen Rückzugsgebiete für Flora und Fauna würden mit irgendwelchen als harmlos deklarierte Schlämmen oder Kraftwerksrückständen wieder zerstört, moniert der ehemalige APU Vorsitzende. All diese Vorwürfe könnten belegt werden. Um diese Augenwischerei gegenüber der heimischen Bevölkerung zu beenden, solle sich der so genannte Rohstoffbetrieb doch als Entsorgungsbetrieb zu erkennen geben und die „Wülpker Egge“ sollte ehrlicherweise nicht als Biotop, sondern als „Abfalldeponie“ bezeichnet werden, wie es den heutigen Tatsachen entspräche, so die Kleinenbremer / Wülpker Genossen.