Warum bin ich in die SPD eingetreten? Eine gute Frage, wenn man sich mal die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl anschaut. Aber Scherz beiseite: ich denke nicht, dass eine miserabel gelaufene Wahl der Anlass sein sollte, die eigenen Überzeugungen in Zweifel zu ziehen.
Ich glaube, meine politische Grundüberzeugung habe ich von meinem Elternhaus mit auf dem Weg bekommen. Meine Mutter war als Industriekauffrau beschäftigt und mein Vater hat über 30 Jahre lang als Bautischler gearbeitet. Ich stamme also – wie es so schön heißt – aus „kleinen Verhältnissen“. Somit war es schon fast ausgeschlossen, dass ich irgendwann mal zur FDP gehe.
Politik hat mich schon immer interessiert und bei uns zuhause habe ich auch politische Diskussionen mitbekommen. Mein erstes „politisches Erlebnis“, das ich bewusst mitbekommen habe, war Ende der 90er Jahre. Helmut Kohl war (noch) an der Macht und verkündete die Kürzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Da war ich schon ein bisschen sauer, denn: was kann ein Arbeiter dafür, wenn er krank wird? Seit dieser Debatte wusste ich, dass ich kein CDU-Wähler werden würde.
Somit war meine politische Heimat im Parteiensystem schon mal grob abgesteckt: SPD oder Grüne (die damalige PDS spielte für mich keine Rolle, weil ich sie nicht wahrgenommen habe).
Danach schlief der „Hobbypolitiker“ in mir für mehrere Jahre bis kurz vor der Bundestagswahl 2005. Damals – es war nach der Europawahl 2004, wo nur knapp 20 % der Wahlberechtigten überhaupt gewählt hatten – bin ich im Radio und Fernsehen auf ein Lied der Rockband „Die Ärzte“ aufmerksam geworden. Das Lied hieß „Deine Schuld“ und war eine musikalische Antwort auf die große Politikverdrossenheit, die damals herrschte. Es war ein Appell, sich einzumischen und nicht nur teilnahmslos daneben zu stehen. Vor allem der Refrain ist mir immer noch im Gedächtnis geblieben:
„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“
Dieses Lied war für mich so was wie ein Weckruf und der „Hobbypolitiker“ war wieder da – ich wollte mich in einer Partei einbringen. Inzwischen hatte sich aber das Parteiensystem um eine weitere Partei erweitert: „Die Linke“ als Zusammenschluss von PDS und einigen von der SPD-Führung enttäuschten Mitgliedern machte durch den Ex-SPD-Chef Lafontaine und die sogenannten „Montagsmärsche“ auf sich aufmerksam. Nun stand ich also vor der Wahl zwischen drei Gruppierungen: Grüne, SPD oder die Linkspartei. Die letztgenannte Partei fiel für mich ziemlich schnell aus der Liste, weil sie unrealistische „Wünsch-dir-was“-Forderungen hatte und nicht regierungsfähig war.
Ich war also wieder bei der Ausgangssituation SPD oder Grüne. Ausschlaggebend für die Entscheidung pro SPD war für mich die Grundüberzeugung der Partei, dass jeder – egal aus welchem Eltern-haus er kommt – die Möglichkeit haben soll, aus seinem Leben das Beste zu machen. Stellvertretend für dieses Denken, dass in den 70er Jahren von Willy Brandt geprägt worden ist, steht in meinen Augen Gerhard Schröder. Er hat es als Sohn einer alleinerziehenden Mutter aus einem Dorf im Kreis Lippe geschafft, zuerst Rechtsanwalt, dann später Ministerpräsident von Niedersachsen, und zum Schluss Bundeskanzler zu werden. Mir ist klar, dass er einige politische (Hartz IV) und persönliche Fehler (Wechsel zu Gazprom) gemacht hat, aber man muss ihm auch sein politisches Gespür für die richtigen Akzente zur richtigen Zeit anrechnen (Atomausstieg, Nein zum Irakkrieg).
Da war ich also in der SPD. Nachdem ich den Ortsverein Vennebeck-Costedt und seine Mitglieder kennengelernt habe, kam dann auch relativ schnell die Einladung, bei den Jusos mitzumachen. Ich dachte mir: warum nicht, versuchen kannst Du es ja mal. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut. Beides hat seine Vorteile: im Ortsverein kann man an den Erfahrungen gestandener Ratsherren und –frauen teilhaben und auch mal einfach nur ein Bierchen trinken und quatschen. Bei den Jusos trifft man auf Gleichaltrige (ich war damals 21 Jahre alt) und kann mit denen die verschiedensten Themen diskutieren. Zumal man bei den Jusos nicht nur diskutiert, sondern auch was bewegen kann. So geht das Nachtbus-System, das vor kurzem im Kreis getestet worden ist, ursprünglich auf ein Konzept der Jusos zurück.
Zum Schluss möchte ich die Frage „Warum bin ich in der SPD?“ noch mal in Form eines Appells beantworten:
Wer gleiche Chancen für alle will, ist bei der SPD richtig.
Wer für soziale Gerechtigkeit ist (Mindestlohn, Bürgerversicherung, Spekulationssteuer), ist bei der SPD richtig.
Wer dann noch zwischen 14 und 35 Jahren alt ist, ist nicht nur bei der SPD richtig, sondern auch bei den Jusos. Die Mitgliedschaft bei den Jusos ist übrigens kostenlos.
Die SPD ist eine Mitgliederpartei und kein „Kanzlerin-Wahlverein“. Und die Jusos sind eine diskussionsfreudige Truppe und keine „Kanzlerin-Jubler“.
WER ETWAS ÄNDERN WILL, IST BEI UNS RICHTIG
PS: auch wenn Du/Sie nicht mit den Zielen der SPD und der Jusos 100%ig einverstanden bist/sind, bitte wählen gehen. Jeder, der am Wahlsonntag zuhause bleibt oder ungültig wählt, stärkt nur die Falschen und sollte sich nicht hinterher darüber beschweren!